SOS Jugendarbeitslosigkeit – Lasst die Jungen nicht im Stich!

Die Alarmzeichen sind unüberhörbar: Im Zuge der Coronakrise rechnen Bildungsexperten mit einem extremen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit ab diesem Sommer. Wir Jungen sind die Zukunft – die Jugend darf nicht im Stich gelassen werden und zu Hauptverlierern des Corona-Lockdowns gemacht werden. Aus diesem Grund richtet die Junge SVP Schweiz einen flammenden Appell an die Öffentlichkeit und präsentiert mehrere Massnahmen, die bewirken sollen, dass die Jugendarbeitslosigkeit nicht ansteigt.

Im Vergleich zum Vormonat sind die schweizerischen Arbeitslosenzahlen auf Ende April um knapp 14 Prozent auf über 150’000 gestiegen. Aus Sicht der jungen Generation ist die Lage besonders dramatisch: Die Zahl der bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) registrierten Arbeitslosen zwischen 15 und 24 Jahren erhöhte sich in nur einem Monat um über 18 Prozent – auf insgesamt über 17’000. Im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet dies gar einen Anstieg von über 60 Prozent. Offiziell betrug die Jugendarbeitslosigkeit nach nationaler Definition des Seco Ende April 3,3 Prozent (ohne Schüler und Studenten).

Effektive Jugendarbeitslosigkeit über 10 Prozent

Gerne wird in diesem Zusammenhang beschwichtigt, dass die offiziell ausgewiesene Jugendarbeitslosigkeit (Arbeitslose zwischen 15 und 24 Jahren) in der Schweiz im Vergleich zum EU-Ausland sehr tief sei. Um die Zahlen mit den Verhältnissen im Ausland aussagekräftig vergleichen zu können, ist allerdings die Jugenderwerbslosenquote nach internationaler Definition (ILO) relevant. Diese wird jeweils als Referenz genommen, wenn wir kopfschüttelnd auf Staaten wie Spanien, Italien oder Griechenland zeigen, die Quoten von weit über 30 Prozent kennen. Laut statista.com waren im Jahr 2019 nach ILO-Definition 8 Prozent der Schweizer Unter-25-Jährigen (auch hier ohne Schüler und Studenten) arbeitslos – und dies in einem Jahr mit wirtschaftlichen Spitzenwerten! Die Schweiz bewegte sich auf ähnlichem Niveau wie Österreich oder Slowenien, niedriger war die Quote zum Beispiel in Deutschland oder Tschechien. Heute dürfte die effektive, weit aussagekräftigere Jugendarbeitslosigkeit nach ILO-Kriterien hierzulande wohl deutlich über 10 Prozent liegen.

In einer Zeit, da x-tausende kleine und mittlere Betriebe um ihre Existenz kämpfen, stehen auch ebenso viele Lehrstellen und Jobs auf der Kippe. Aus Erfahrung wissen wir, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter 25 Jahren in Phasen des Wirtschaftswachstums schneller eingestellt werden als ältere Arbeitssuchende. Ihnen wird in Krisenzeiten aber auch schneller gekündigt. Untersuchungen zeigten, dass Junge, die in Krisenzeiten in den Arbeitsmarkt eintreten, bis zu zehn Jahre lang Nachteile in Form tieferer Löhne oder Arbeitslosigkeit mit sich schleppen. Dies muss verhindert werden! Betroffen sind davon nämlich auch Akademiker, deren Berufseinstieg sich schon heute in vielen Bereichen als schwierig gestaltet und die oftmals jahrelang mit tief bezahlten Praktika abgespeist werden, bevor sie eine reguläre Anstellung erhalten. Wer sich von Praktikum zu Praktikum schwingt, dessen Berufseinstieg harzt gewaltig – was aber in der Arbeitslosenstatistik nicht abgebildet wird!

Wir verneigen uns vor allen Unternehmerinnen und Unternehmern, welche tagtäglich ihren Beitrag leisten, um junge Menschen erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Alle Lehrlingsausbildner, Firmenchefs und Vorgesetzten, welche jungen Menschen das Vertrauen aussprechen und eine Chance geben, obwohl es leichtere Optionen gäbe, verdienen unseren Respekt und unsere Hochachtung. In dieser schweren Wirtschaftsphase, die sie zu unpopulären Massnahmen zwingt, um das eigene Überleben zu sichern, sind deshalb die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass belohnt wird, wer jungen Menschen Arbeit gibt und Zukunft schenkt.

Aktionsplan «SOS Jugendarbeitslosigkeit»

Die Junge SVP Schweiz hat folgende Forderungen ausgearbeitet, welche ein Ansteigen der Jugendarbeitslosigkeit eindämmen sollen:

  • Unternehmen erhalten spürbare Steuererleichterungen für jede angebotene Lehrlingsstelle und jede Anstellung von unter-25-jährigen Arbeitnehmern (bis zu einem Anteil von 20 Prozent bei Betrieben ab 10 Angestellten).
  • Deregulierungspaket für Lehrstellenwachstum: Lehrlingsbetriebe sind von überflüssigen, schwere Ordner füllenden Vorschriften zu befreien. Es darf nicht länger in bürokratische Spiessrutenläufe geraten und zu frustriertem Aufgeben gezwungen werden, wer Lernende ausbilden will. Schon zu viele haben sich von der Lehrlings-Ausbildung verabschiedet, weil in etlichen Branchen die pure Bürokratie grassiert, welche Wertschöpfung leistenden Betrieben unzählige Arbeitsstunden raubt. Wir fordern deshalb ein Massnahmenpaket zur Deregulierung und Entbürokratisierung der Lehrlingsausbildung.
  • Die Unternehmen müssen wissen, welche Voraussetzungen Schul- und Studienabgänger erfüllen. Um das Vertrauen der Wirtschaft in das Bildungsniveau nicht zu gefährden, sind deshalb sämtliche Matura- und Lehrabschlussprüfungen durchzuführen. Wir fordern, dass überall dort, wo Prüfungsabsagen bereits kommuniziert wurden, in einem Zeugnis transparent ausgewiesen wird, welche Leistungen Schul- und Lehrabgänger konkret erbracht haben und welches Wissen Betriebe voraussetzen können.
  • Die Personenfreizügigkeit mit der EU, welche durch leicht verfügbare, billige ausländische Arbeitskräfte speziell auch inländische Jung-Arbeitnehmer bedrängt, ist mit sofortiger Wirkung aufzukündigen. Ausländische Arbeitskräfte dürfen erst dann einen Arbeitsvertrag unterzeichnen, wenn für eine ausgeschriebene Stelle kein gleichwertig qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Inland verfügbar ist.
  • Wertschöpfungsferne Studienangebote, beispielsweise «Gender Studies» im Bereich der Geisteswissenschaften, die an wirtschaftlichen Bedürfnissen vorbei betrieben werden, sind in einer Gesamtschau kritisch auf ihren Nutzen zu überprüfen und ggf. zu kürzen oder ganz aufzuheben.

Mit diesen und weiteren Massnahmen, welche die Junge SVP im Juni 2020 in die Bundesversammlung, die kantonalen Parlamente und die Öffentlichkeit tragen wird, ist die Jugendarbeitslosigkeit umgehend zu bekämpfen.

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